Streetfighter und Treffen
Eine fiktive Story welche jedoch sooo real sein könnte
von Sledge in einer langweiligen Stunde geschrieben.
Die Fahrt
Früh morgens ging es los, dank der Arbeit fing unser
Wochenende erst am Samstag an.
Um 6:00 Uhr wurde sich am Treffpunkt getroffen und noch einmal halb verschlafen
die Fahrtroute besprochen. Dann ging es los. Einige hundert Km Wegstrecke galt
es zu bewältigen, ehe man das Ziel Streetfighterparty erreicht hatte. Die
ersten Stunden verliefen wenig spannend. Mal hetzte man über die Autobahn, mal
fuhr man eher gemächlich. Lediglich an den Tankpausen konnte wir von unseren Böcken
runter und noch schnell eine Zigarette rauchen und etwas trinken.
Dann kam der Zeitpunkt wo die Autobahn verlassen werden konnte, und der
Streetfighter war endlich in seinem Revier – die Landstrasse -.
Kaum von der BAB runter, wurde auch schon kräftig am Gas gezogen. Das Vorderrad
rückte in die Höhe und die Kraft der Bikes trieb uns nach vorne. Endlich
wieder die Gänge durchschalten 2-3-4-5-6 Vollgas. Die erste Kurve taucht im
Blickfeld auf, die Bremse leistet gute Arbeit, ein Blick in den Spiegel zeigt
mir, dass meine Freunde dicht hinter mir sind und mich über die Strasse jagen.
Die Kurve ist da, Gang runter, reinlegen und wieder Vollgas. Nacheinander legt
sich ein Fighter nach dem anderen in die Kurve und zieht sogleich wieder am Gas.
Bei der nächsten Kurve das selbe Spiel. Schweiß sitzt mir auf der Stirn, pures
Adrenalin pumpt sich durch meine Adern. Ein Riesenspaß.
Die erste Ortschaft taucht auf, das Gas wird zurückgenommen und durch das
runterschalten bollern die Auspufftüten in den Häuserschluchten. Wir sehen
Kinder am Strassenrand stehen, welche ohrenzuhaltend uns bestaunen. Rentner
erheben ihre Gehstöcke wie einst ein Ritter seinen Morgenstern und rufen uns Wörter
wie Lumpen, Chaoten und Rabauken hinterher.
Dann endlich eine Tanke. Wir rollen auf den Parkplatz des Treibstoffsilos,
heiser hauchen die Endtöpfe ihre heißen Abgase in die Umwelt. Ein kurzer Dreh
am Schlüssel beendet den Kampfgesang der Alu- oder VA-Töpfe und es herrscht
Ruhe.
Die Kunden der Tanke und selbst der Kassierer schauen zu uns rüber. Die
Gestalten klettern von ihren eisernen Kampfgefährten. Wir denken wohl alle
dasselbe: Haben die noch nie Streetfighter gesehen? Anscheinend nicht, geradezu
fassungslos, starren sie auf unserem schwarzen Outfit, die mit Metall
beschlagenen Stiefel und auf die gebrushten Helme. Erst als wir unsere Helme
abnehmen, scheinen sie zu erkennen, dass sich doch Menschen unter den getönten
Visieren verbergen und keine Personen wie Freddie Krüger oder Jason Vorhees.
Als wir tankten, hatten sie anscheinend ihre natürliche Scheu verloren oder
zumindest überspielt und sie kamen näher an unsere Bikes heran. Große Augen
gingen staunend über das gesamte Eisen auf Reisen. Ein ganz Forscher sprach uns
sogar an und fragte, warum wir keine Sitzbänke hätten, die Stahlsitzplatten müssten
doch recht hart sein. Die Sitzplatten sind gut gegen Hämorrhoiden und die Hecks
wären so steil, damit wir mit unseren Klöten immer auf den Tank rutschen, erklärte
ich ihm. Deshalb sagt man zu solchen Motorrädern auch Eierfeilen, und mit
kaputten Klötzen ist halt auch die Familienplanung hin, was wiederum in seinem
Interesse wäre, weil solche wie wir uns dann nicht vermehren könnten. Mit
einem Grinsen im Gesicht, ließ ich ihn dann stehen und bezahlte meinen Obolus
an den Pförtner dieses Treibstofflagers. Nach einer weiteren Zigarette, machten
wir uns dann auf um die letzten paar Kilometer zum Platze des Glücks hinter uns
zu bringen.
Die Ankunft
Auskennen tat sich keiner von uns in dieser Gegend.
Jedoch konnte man schon von weiten eine Rauchwolke gen Stratosphäre steigen
sehen. Also nichts wie hin. Je näher wir kamen umso mehr wurde der visuelle
Wegweiser von akustischen Klängen begleitet. Wir hörten das gierigen Kreischen
verschiedener Vierzylinder im oberen Drehzahlbereich.
Noch schnell ein paar Autos überholt und schon standen wir vorm Eingangsbereich
des besagten Streetfightertreffens. Eine kurze Zahlpause an der Kasse, dann
wurde auf den Platz gerollt. Na ja, nicht unbedingt gerollt. Es kommt halt
besser wenn man mit durchdrehenden Reifen über den Platz jettet. Einen Platz
ausgemacht der uns für den Tag und die anstehende Nacht einen Platz zum
schlafen ermöglichte. Keiner von uns stieg jedoch ab. Es wurden lediglich die
Helme und Handschuhe ausgezogen und auf einen Haufen geworfen. Dann noch kurz
hinter sich gegriffen und die Spanngurte gelöst. Das Gepäck fiel dank der
Schwerkraft zu Boden und blieb im Gras liegen. Jeder von uns wusste was zu tun
ist. Gleichzeitig begaben sich die Fighter in die Vorwärtsbewegung Richtung
Brennplatte.
Brennplatte? Nein, eine Brennplatte liegt auf X-beliebigen Motorradtreffen rum.
Dies war keine Brennplatte, es war die Thunderdome. Die Donnerkuppel ! Doch war
sie groß genug um uns alle gleichzeitig aufzunehmen? -Ja sie war es-.
Nacheinander fuhren wir auf die Gummiverzierte Holzplatte um dann gleichzeitig
die Sinfonie der Vernichtung zu celibrieren.
Das aufjaulen der Motoren, ging unter im quietschenden Geschrei des Gummis. Im
Chemieuntericht wurde uns zwar immer beigebracht, dass sich Stoffe vom
Agrarzustand Fest – in flüssig – in Gasförmig verwandeln, aber diese These
wurde von uns eindrucksvoll widerlegt. Die Reifen gingen direkt vom Festen zum
Gasförmigen über.
Noch etwas wurde von unserer kleinen Jugend-forscht-Gruppe festgestellt, während
die meisten Gase durchsichtig sind, ist der Qualm, den wir erzeugten alles
andere als unsichtbar.
Erst bildete sich ein herrlicher Bodennebel, welcher dann aber zum Hochnebel
umfirmierte.
Das Atmen erschwert sich ebenfalls, wenn man in solch einer Rauchsäule steht.
Macht aber nichts.
Dann der erste Knall, ein Reifen hatte seine eingeflößte Luft mit einem Male
wieder an die Umgebung abgelassen. Im Stakkato der Drehzahlbegrenzer folgt bald
Pneu Nr. 2, dann 3, dann 4 usw. bis sich auch der letzte seiner Seele die
Freiheit wieder schenkte. Nur noch das brubbeln der Motoren war zu hören übertönt
von dem Gejohle der Menge.
Es war wieder Streetfighterzeit. Viel zu lange hatte ich diese amüsante
Spektakel vermisst, dachte ich mit feuchten Augen, als ich die Krümmer im Nebel
glühen sah. Der Nebel verzog sich so rasch wie er erzeugt wurde, wir stiegen
von unseren gepeitschten Rössern und begrüssten Freunde und Bekannte, welche
wir schon so lange nicht gesehen haben. Danach wurden erst die Bikes wieder zu
unserem Gepäck geführt.
Der Tagesverlauf
Die ersten Hinterräder waren schon von den Zangen der
Schwingen befreit, als auch unser Servicewagen auf dem Platz eintraf. Auch
unsere Mädels hatten den Weg hierher gefunden. Der Wagen wurde ausgeräumt und
die Zeltstadt wurde durch unsere Aufbauten erweitert. Während die einen noch
dabei waren, den Grill aufzustellen, machten sich andere ans Werk und zogen die
zerstörten Reifen ab um der Felge den Platz zu geben, welche sie brauchte um
neue Gummis aufzunehmen. Nach der vollbrachter Arbeit war es an der Zeit fürs
erste Kaltgetränk, man entschied sich für eine Tennesseeschorle. Gut gekühlt
ging es runter wie Öl.
Die Holzkohle wurde entzündet und ich machte mich mit ein paar Freunden auf dem
Weg. Wir schlenderten über den Platz und bestaunten die Arbeiten des
vergangenen Winters. Da hatten sich einige richtig Mühe gegeben und ein paar
herrliche Streetfighter gezaubert. Es blieb natürlich nicht aus, dass wir das
ein oder andere bekannte Gesicht erkannten und mit ihnen das Treffen begießen
mussten. Ein Smalltalk hier einen Drink dort, nach 2 Stunden wankten wir wieder
heimwärts. Dort machten wir uns erst mal über die inzwischen erkalteten
Fleischstücke her. Jetzt noch eine Stunde ruhen und das Inferno kann beginnen.
Das Eintreffen der Streetfighter wollte und wollte kein Ende nehmen, bis zum frühen
Abend kamen immer weitere Horden auf das Camp gefahren. Wunderschöne Bikes mit
bis ins Detail geplanten Umbauten, wie auch mattschwarz übergejauchte
Kampfbikes für den täglichen Kampf auf der Strasse. Es waren Bikes mit
Airbrushs zu sehen, welche mehr kosteten als mein Bike im gebrauchten
Orginalzustand, wie auch welche der Kategorie Laut-schrill-demütigend. Viele
von Ihnen ließen sich mitreißen und brachten die Motoren dazu ihr Klagelied zu
singen..
Es war stressig und doch herrlich. Ständig waren wir jetzt damit beschäftigt
Reifen den Garaus zu machen um dann sofort wieder neue zu montieren. Weitere
Streetfighter fühlten sich natürlich animiert bei diesem lustigen Treiben
mitzumischen und quälten in gleicher Manier ihre Untersätze.
Jetzt wurde es voll auf der Platte, so voll, dass man sich anstellen musste um
überhaupt drauf zu kommen. Es herrschte mal wieder der vollkommende
Ausnahmezustand. Besser ging es in keinem der Endzeitfilme aus den Achtzigern.
Die johlende Menge peitschte die kämpfende Zunft zu immer neuen Höchstleistungen.
Ein einfaches abradieren der Reifen reichte schon lange nicht mehr um die
Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Feuerspiele untermalten das Treiben innerhalb
der Rauchwolken.
Eine laue Sommernacht und was daraus wurde
Die Dunkelheit setzte ein, wir und auch die anderen zogen sich ins Festzelt zurück.
Zwar brannten noch immer einige auf der Brennplatte als gäbs kein Morgen mehr,
für uns hatte das Zerstören aber erst mal ein Ende gefunden. Für uns war
jetzt Partytime.
An der Theke war schon längst kein Platz mehr zu finden, so setzten sich unsere
Gesellen zu einigen anderen Gummivandalen an einem der zahllosen
Festzeltgarnituren. Die eine oder andere Flasche wurden dann in trauter
Gemeinsamkeit geleert. Es war rappelvoll, als es vor der Bühne plötzlich eng
wurde, einer zarten Nixe war es wohl zu heiss in dieser Sommernacht geworden und
sie legte ein Kleidungsteil nach dem anderen ab. Die Menge johlte amüsiert.
Gegen Mitternacht überkam es uns dann wieder, schon leicht (ok, auch etwas
mehr) angetrunken führte uns der Weg wieder nach draußen zur Burnplatte. Es
herrschte immer noch die gleiche Stimmung wie vor unserem Besuch des Festzeltes.
Der Hügel zerstörter Reifen hatte mittlerweile die Ausmaße eines Berges
angenommen.
Für uns war das das Zeichen für einen kleine Feuershow. Mit Petroleum und
Bengalpulver bewaffnet gesellten wir uns zu den bereits aktiven Feuerspuckern.
Vereint spuckten wir das brennbare Nass durch die Fackeln in den Nachthimmel,
eine Lichtreklame welche von weither gesehen werden konnte. Dazu brachten
Feuerwerkskörper ein abwechslungsreiches Lichtspiel in die Sommernacht.
Nach einigen weiteren Drinks und einigen nicht sehr schönen, dafür aber sehr
lauten Gesängen, legte sich ein Recke nach dem anderen hin und genoss den
Schlaf.
Am nächsten Morgen, das gleiche Spiel wie an so vielen Sonntagmorgenden. Während
einige damit beschäftigt waren neue Reifen aufzuziehen, standen andere ratlos
vor dem was von ihren Fightern übriggeblieben war. Die Nacht hatte bei Mann und
Material eindeutig Spuren hinterlassen. Der Anruf beim Bringservice vom ADAC war
obligatorisch.
Ich schlenderte gemütlich über den Platz in Richtung Frühstück und dachte
beim Anblick des Platzes: „Da wurde wieder mal ganze Arbeit geleistet,
schlimmer konnte es in Paris nach der Erstürmung der Bastille auch nicht
ausgesehen haben“. Die Brennplatte war nur noch Schutt und Asche und der Platz
wird wohl erst mal tiefgeflügt werden müssen, bevor hier brave Kühe wieder
ihr Mahlzeit zu sich nehmen können. RESPEKT JUNGS !!
Die Abfahrt
Nachdem wir unsere Sachen in den Servicefahrzeugen und
in den Gepäckrollen verstaut haben, wurde noch schnell aufgeräumt und dann
ging es glücklich und zufrieden wieder heimwärts. Die Arbeitswoche hatte uns
bald wieder....................aber in 2 Wochen da könnte das Spiel, auf einem
anderen Platz, in einem anderen Bundesland wieder von vorne beginnen. Die
Vorfreude bringt mich zum grinsen.
Die Geschichte darf natürlich
im Web verbreitet werden, dann aber bitte mit einem Hinweis (Link) auf die Seite
www.midnight-prayer.de